Donnerstag, 12. August 2010
Wie kann das sein?
Eigentlich dachte ich, dass ich über den Punkt hinaus bin, dass mir jemand wieder Schmerzen zufügen kann. Viel habe ich an mir gearbeitet, reflektiert, Zeit verstreichen lassen, um letztlich zu spüren, dass die beste Theorie gegen die Praxis verliert. Lange habe ich darüber nachgedacht und es ist so, dass ich es bin, die dafür sorgt. Niemand anderem ist die Verantwortung zu übertragen. Durch mein Handeln, mein Nichttun, meine Ungeduld und mein ständiges Grübeln über alles mögliche und überstürzte Worte und Taten. Vieles geschieht nur in meinen Gedanken, was mich verletzt. Und so gelangt das Negative in mein Umfeld, bestimmt mich, lähmt mich und lässt mich davon laufen. Dabei wäre das, was ich mir wünsche so einfach, wenn ich nur innehalten würde. Vielleicht zu einfach, als dass ich es mir für mich vorstellen kann.

Ach, wenn ich dich nur wissen lassen könnte, wie ich fühle, wie es dazu kam, dass ich so handelte, wie ich handelte. Wie es kommt, dass ich mich so widersprüchlich verhalte. Ich kann es selber kaum verstehen, wie kann ich da hoffen, dass es jemand anderes versteht? Du sagtest einmal, dass jedes Wort den Zauber zerstören kann. Ja, so ist es. Ich zerstöre langsam das, was ich liebe. Dich, mich, uns – die Leichtigkeit des Lebens, des Seins und des Zusammenseins. Den Austausch belaste ich mit Dingen, die da nichts verloren haben, wo man unbefangen sein sollte. Ich glaube es ist die Distanz. Vielleicht wäre alles einfacher, wenn ich dich ansehen könnte, du in mir lesen könntest, ohne dass ich Worte benutze. Dort, wo ich einfach schweigen kann, nahe sein darf, mich nicht erklären muss, berühren darf. Diese Erklärungen versuchen eine Brücke zu bauen zwischen uns, doch ernte ich zurecht Schweigen. Ich glaube sogar, dass ich lernen muss damit umzugehen. Das Schweigen ist nicht so schlimm, wie ich es mir vorstelle. Nur weil ich in der Vergangenheit oft Schweigen geerntet habe bedeutet es nicht, dass jedes Schweigen Teufelswerk ist. Unser Schweigen ist vielleicht der Schlüssel, den ich brauche um diese Bastion zu durchbrechen, Geduld wachsen zu lassen, wo Ungeduld Widerstände baut. Ja, ich glaube, dass es so ist. Du bist kein Mensch, den man drängen darf – im Grunde weiß ich das. Ich würde das für mich auch nicht wollen und doch tue ich es. Tu ich es? Und es gibt nichts, was das entschuldigen könnte, außer vielleicht die Sehnsucht, die mir Fallen stellt. Ich tappe hinein wie eine Blinde, die innerlich eigentlich sehen kann. Ich verstehe mich selber nicht mehr.

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